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«Wir werden einmal inmitten
vieler Brandungen gemeinsam sehr fest stehen müssen.
Du hast mehr zähe Kraft,
Klarheit
und sicheres Wollen,
als Du Dir selbst zutraust –
nimm sie in beide Hände»

Adam von Trott, 1943

»Ich lese augenblicklich sehr viele Bücher, gute Bücher.
Teils helfen sie mir, teils verwirren sie mich,
denn ich bin zu leicht gewogen,
dieselbe Ansicht zu haben wie der Schriftsteller.

Und zwei Menschen können und dürfen doch nicht die gleichen Anschauungen haben.«

Adam von Trott, 1924

»Europäer, besonders die Intellektuellen,
haben die Gewohnheit,
die Welt in bestimmte moralische und ästhetische Verallgemeinerungen zu pressen und zu denken, die Welt gehöre ihnen.
In Wirklichkeit ist die Welt weit größer, unfassbarer und ganz
gleichgültig gegenüber solchen selbstgefälligen
Vorstellungen.«

Adam von Trott, 1940

» Die Erinnerung an Imshausen,
die Täler und Höhen, den Wald und die Felder,
durch die wir gemeinsam gestreift sind – 
an die Rehe, an all die von Menschenhand unberührten
Bewegungen, Geräusche und Gerüche der Natur haben
mich immer wieder mit Frieden und Freude erfüllt.«

Adam von Trott, 1944

Geschichte des Ortes, Zitate Verbundenheit

Dauer: 01:19 Min

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Lektüre

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1. Belletristik
Was seine belletristischen Lieblingsbücher angeht, so gab es bei Trott – wie bei einem jungen Leser nicht anders zu erwarten – bestimmte Phasen, in denen einzelne Dichter und Schriftsteller vorübergehend große Bedeutung für ihn hatten. Für den 18/19jährigen Adam von Trott waren dies zum Beispiel – nicht untypisch für jene Zeit – Hölderlin und Dostojevskij. Im Juni 1934 schrieb er hingegen (an seine Freundin Diana) über Dostojevskij: »I never seem to have been further from his powerful influence«. Anders im Falle Tolstois, der, einmal von ihm entdeckt, bis zum Schluss einer seiner Lieblingsschriftsteller blieb.

Kennzeichnend für Trott war es, dass er sich aus eigenem Antrieb eine fundierte Bildung mit der Ausrichtung auf die Welt­literatur erwarb. Englische Literatur las er stets in der Originalsprache, französische Literatur nur zu einem kleineren Teil. (Im Balliol College in Oxford wurden auch Französischkenntnisse von ihm erwartet, doch hat er sich später entgegen seinen Plänen nie länger in Frankreich aufhalten können.)

Die Lektüre deutscher Klassiker war für ihn selbstverständlich. Besonders auffallend ist seine umfassende Kenntnis von Goethes Werken, die sich auf alle berühm­ten Dramen, »Werthers Leiden«, »Dichtung und Wahrheit«, »Wilhelm Meister«,
»Die Wahlverwandtschaften«, die früheren Gedichte und die »Schriften über die Natur« erstreckte.
Nicht zuletzt aus seiner eigenen Edition geht hervor, dass er ein vorzüglicher Kenner Kleists war. (Menschen, die ihm besonders wichtig waren, führte er zu Kleists Grab am Wannsee – so etwa 1939 seine Freundin Clarita, der er damals zu­ gleich Kleists Werke schenkte.)

Ein Leseschwerpunkt des jungen Trott war Lyrik, vom 18. Jahrhundert bis zur Gegen­wart. Zu den von ihm geschätzten Dichtern gehörten u. a. Hölderlin, Keats (im engl. Original), Heine, Lenau, Baudelaire, Trakl und T. S. Eliot (im engl. Original).

Eine besondere Vorliebe hatte Trott stets für skurrile, satirische, phantastische, grotesk­bizarre Literatur. Als seine Lieblingsschriftsteller zählten hier u. a. Jonathan Swift, Jean Paul, E.T. A. Hoffmann und Franz Kafka.

Romanen wandte er sich verstärkt erst Mitte der 1930er Jahren zu, und zwar vor­zugsweise den Werken ausländischer Schriftsteller. Dies waren u. a. Fielding, Sterne, die Schwestern Brontë, Hardy und D. H. Lawrence (alle im engl. Original), Stendhal, Balzac und Flaubert sowie Gogol, Turgenjev und der von ihm besonders geschätzte Tolstoi. Im Hinblick auf Thomas Mann ist zu berücksichtigen, dass Trott erst 23 Jahre alt war, als dessen Werke in Deutschland verboten wurden.

Adam von Trott hat sich keineswegs nur der Literatur vergangener Jahrhunderte zugewandt, sondern auch der zeitgenös­sischen – ja, ihm lag daran, Schriftstellern und Schriftstellerinnen persönlich zu begegnen.
Über eine Jugendfreundin wurde er z. B. bei Ernst Jünger eingeführt, was ihn jedoch nicht daran gehindert hat, sich mit dessen Büchern sehr kritisch ausein­anderzusetzen.
Karl Kraus hat er zwar nicht persönlich getroffen, aber als Student in Berlin ihn auf zwei Vortragsabenden erlebt, von denen er tief beeindruckt war. Sehr positiv urteilte er über die Schrift­stellerin Rebecca West, die er 1935 in Hamburg kennenlernte und sich im Jahr danach in London mit ihr traf. Von seinem Treffen mit Upton Sinclair 1937 in Los Angeles hat sich ein Buchgeschenk des Autors mit Widmung erhalten, während von seiner Begegnung mit Ignazio Silone 1939 in New York überliefert ist, dass dieser großen Eindruck auf ihn machte. Die Werke von Sinclair un Silone waren in Deutsch­land verboten.

Selbstverständlich gilt größte Vorsicht, will man Trotts belletristische Lektüre zu deuten versuchen. Dennoch seien einige Beobachtungen angeführt. Typisch für Trott war seine Offenheit für die Werke von Dichtern und Schriftstellern verschiedens­ter Länder. Einen nordischen Schwerpunkt gab es bei ihm indes nicht. Es dürfte kein Zufall sein, dass die seinerzeit sehr berühmten Romane des Hitleranhängers Knut Hamsun bei ihm keine Erwähnung finden. Zu seiner Einstellung passt die Lektüre zweier sehr ausgesprochener Anti­ Kriegsbücher ganz unterschiedlichster Art: Tolstois »Krieg und Frieden« ebenso wie Remarques »Im Westen nichts Neues«. Seiner amerikanischen Kusine Margery schenkte er Silones »Brot und Wein« mit der Bemerkung, dieser Roman werde ihr helfen, die Psychologie der Länder unter dem Faschismus besser zu verstehen.
Jüngers »Auf den Marmorklippen« hat er als Parabel der NS-Zeit aufgefasst, wie denn auch Trotts eigener literarischer Versuch »Ein böser Traum« als solche zu verstehen ist.

2. Sachbücher
Trotts immense Lektüre von Sachbüchern steht zu weiten Teilen im Zusammenhang mit seinen verschiedenen Studien. Nach seinem Jurastudium wandte er sich für sei­ne Dissertation Hegel und der Interpreta­tion seiner Philosophie zu, die er auch nach seiner Promotion für ein geplantes hegel­-kritisches Vorhaben fortsetzte. Zunächst studierte er jedoch in Oxford Philosophie, Politik und Volkswirtschaft und legte in diesen Fächern ein Examen ab. Später hatte er als Rechtsreferendar ein Referat über die Sowjetwirtschaft zu halten, was ihn zu einer vielseitigen Lektüre über die Sowjetunion veranlasste. Nach seinem jurist. Assessorexamen wandte er sich in den nächsten Jahren einem Studium der chinesischen Staatslehre und Staatspraxis zu, wobei er zum Vergleich teilweise auch Japan einbezog. Flankiert wurden diese Studien von der Befassung mit der chine­sischen Philosophie ebenso wie mit den Verhältnissen im China der Gegenwart. Als wäre Trott mit all seinen offiziellen Studien nicht schon genug ausgelastet gewesen, gab es bei ihm daneben noch ein intensives Selbststudium. Dieses galt seit seinem 19. Lebensjahr vornehmlich der Philosophie, der Staatstheorie, der politi­schen und ökonomischen Theorie, der Geschichte und der Politik. Auch der Lite­ratur wandte er sich für seine Kleist­ Edition oder für Rezensionen gezielt zu.
Angesichts dieser Fülle seiner Lektüre von Fachliteratur ist eine Auswahl daraus nicht gerade einfach. Dennoch empfiehlt es sich, einige Bücher – vor allem auf den Gebieten der Philosophie und politischer Theorie – auszustellen. Bei Sachbüchern kann man zwar nicht von »Lieblingsbüchern« sprechen, diese Werke hatten aber zumin­dest zeitweise eine besondere Bedeutung für ihn und sagen Spezifisches über ihn aus.

Dr. Benigna von Krusenstjern

Biografische Kartei

Astor, David

(1912–2001)

Conrad, Helmut

(1910–1964)

Ecke, Gustav

(1896–1971)

Israel, Wilfrid

(1899–1943)

Berlin, Isaiah

(1909–1997)

Braun-Vogelstein, Julie

(1883–1971)

Rowse, Alfred Leslie

(1903–1997)

Kabir, Humayun

(1906–1969)

Bielenberg,
Peter

(1911–2001)

Bielenberg,
Christabel

(1909–2003)

Cripps, Richard Stafford

(1889–1952)

Grant Duff, Shiela

(1913–2004)

Siebert, Hans

(1910–1979)

Bley, Curt

(1910–1961)

Dyer-Bennet, Miriam

(1890–1973)

Gaidies, Hans

Hubback, Diana

(1912–2007)

Alben

Geschwister
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Adam von Trott Notizen 1930 ⁄ 31

Trott distanziert sich von Hegels Kriegsphilosophie. Wegweisend sind für Trott das Recht und die dauerhafte Friedenssicherung. »Die Selbstbehauptung des Staates auf dem Wege der Rechtsentwicklung, nicht dem des Krieges ist heute zu erstreben. – Krieg als gerechte Entscheidung des Weltgerichts über die historische Daseinsberechtigung eines Volkes ist heute Absurdität.«
Den Frühling 1931 verbringen Miriam Dyer-Bennet und Adam von Trott gemeinsam in Ponte Tresa am Luganer See (Italien). Hier arbeitet er an seiner Doktorarbeit und ist unzufrieden mit dem Fortgang seiner Arbeit.
»Es wird mir immer klarer, dass es einer Arbeit an mir selbst bedarf, wenn ich in einer äußere adäquat auch nur im kleinsten wirksam werden will.«
»Bedarf ich wirklich einer äusseren Kraft die mich an meinem eigenen Weg festhält? Oder habe ich nur in mir, was mich zusammenhält und fortbestimmt, zu unvollkommen ausgebildet? – [Da es gewiss eine wahre Funktion gibt, in der für mich und die Welt meine Wirksamkeit beschlossen ist und die ich nur" "zu erkennen und mich hinein zu bescheiden habe.] Ich muss meinen Willen – diese wirkliche Charakterangel und -umspannung ausbilden – damit hier die Form wenigstens für den höheren Inhalt festbleibt, wenn auch dieser letztere selbst auf sich warten lässt. Wer sich von all der kleinlichen Quertreiberei beirren lässt, verdient es nicht anders –«
Mit seiner Freundin Miriam Dyer-Bennet diskutiert Adam von Trott seine Studien und Gedanken.

Schublade

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Die Eltern

Eleonore von Trott

geb. von Schweinitz (1875—1948)

Eleonore von Schweinitz wird 1875 in Wien geboren und wächst zusammen mit neun Geschwistern in St. Petersburg auf.

Eleonore von Trott, 1917
Eleonore von Trott, 1899

Eleonore fällt früh durch ihre Entschlossenheit auf. Mit großer Leidenschaft vertritt sie ihre Überzeugungen und engagiert sich ihr Leben lang ehrenamtlich im christlich-sozialen Bereich, vor allem in der ökumenischen Bewegung. 1901 heiratet sie den Kasseler Regierungspräsidenten August von Trott. Sie bevorzugen einen einfachen Lebensstil, ohne viel Dienstpersonal. Eleonore von Trotts Interesse an Menschen und dem Weltgeschehen findet in der Abgeschiedenheit Imshausens manchmal wenig Resonanz. Umso mehr genießt sie den Austausch mit ihren älteren Kindern und deren Freund*innen.

Botschafter

Hier ist ihr Vater Botschafter des Deutschen Kaiserreiches. Ihre Mutter, Anna Jay, ist Amerikanerin und eine direkte Nachfahrin von John Jay, einem der sog. Gründerväter der Vereinigten Staaten, der sich vehement für die Beseitigung der Sklaverei einsetzt.

Familie von Schweinitz auf einer Datscha bei St. Petersburg, Eleonore ganz links, 12. August 1889
August von Trott, um 1912

August von Trott

(1855 – 1938)

1855 wird August von Trott in Imshausen geboren. Er bleibt das einzige Kind seiner Eltern Sophie und Werner von Trott, der bereits 1858 mit 39 Jahren schwer erkrankt und stirbt. August studiert Jura und beginnt eine Verwaltungslaufbahn.

August von Trott als Landrat in Marburg, 1893

Der Landrat

1899 wird er Regierungspräsident in Kassel und lernt Eleonore kennen.

Nach ihrer Heirat ziehen sie 1905 mit ihren zwei kleinen Kindern Werner und Irene nach Potsdam, wo August von Trott eine Stelle als Oberpräsident der Provinz Brandenburg antritt.
Kurz nach Adams Geburt 1909 zieht die Familie nach Berlin um, da der Vater zum preußischen Kultusminister berufen wird.

Eleonore und August von Trott, um 1901

August von Trott versteht sich als konservativer und traditionsbewusster Staatsdiener, steht dem deutschen Militarismus des Wilhelminischen Kaiserreichs aber fern. Aufgrund der Reformbestrebungen des preußischen Dreiklassenwahlrechts hin zu einem gleichen Wahlrecht für Männer, die August von Trott ablehnt, tritt er im Juli 1917 als Kultusminister zurück und wird Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau in Kassel. Nach der Novemberrevolution lässt sich der Monarchist auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzen, den er im Kreise seiner Familie in Imshausen genießt:

»Wer ein Leben lang für das Königtum, für Kaiser und Reich eingetreten ist, wer darin sein politisches Ideal erblickt hat, (…) dem wird man nicht verdenken dürfen, wenn er den brennenden Schmerz über das Verlorene nicht überwinden kann.« — August von Trott, 28. März 1919

August von Trott (mit Zylinder) mit Kaiser Wilhelm II. bei der Einweihung der Erlöserkirche in Gerolstein, 15. Oktober 1913

Kindheit

Adam wird am 9. August 1909 in Potsdam geboren. Kurz darauf zieht die Familie des neuen Kultusministers August von Trott nach Berlin.

Adam, 1910
Werner, Vera (hinten), Ursula und Adam (vorne), 1910

Adam und seine Geschwister wachsen privilegiert auf. Da ihre Eltern sehr beschäftigt sind, kümmert sich auch eine britische Kinderfrau um die Kleinen. Die liebevolle Nurse muss bei Kriegsausbruch 1914 heimkehren – für den gerade fünfj.hrigen Adam ein erster Verlust.

Die britische Kinderfrau Louisa Barrett mit Adam (links) und Monika, um 1913
August von Trott beim Pferdchenspielen mit Adam, 1913
Eleonore mit Ursula, Adam, Vera und Werner (v. l.) in Imshausen, 1910

Die Sommermonate verbringen Eleonore und ihre Kinder zumeist auf dem Familiensitz Imshausen. Sie genießen das freie Umherschweifen und Spielen in der Natur.

Werner, Vera, Ursula, Monika, Adam (v. l.), um 1914
Monika, Ursula (o.), Vera und Adam (von links), um 1917
Eleonore, Heinrich, Monika, Adam, Ursula, Vera, Werner (v. l.) in Imshausen, 1921
Ursula und Adam in Imshausen, um 1917

1915 beginnt für Adam die Schule, zuerst in Berlin, später – mit einem weiteren Umzug 1917 – in Kassel. Das Ende der Monarchie und die Novemberrevolution 1918, für die Eltern ein tiefer Schlag, beschreibt Adam rückblickend als Erleben einer Zeit, »in der wirklich alles, was bisher als sicher galt, auf einmal zweifelhaft erschien.«

Adam, um 1923

Zwei Jahre lang, von 1919 bis 1921, genießt Adam es, ständig in Imshausen zu leben und im Dorf und Wald seine eigenen Wege zu gehen. Er wird gemeinsam mit seinen Schwestern von einer Hauslehrerin unterrichtet. Dann entscheiden die Eltern, den elfjährigen Adam auf das Friedrich-Gymnasium nach Kassel zu schicken. Die Trennung fällt ihm schwer und er schreibt an seine Mutter:

 

»Ach wie gerne wäre ich mal eine Stunde bei Euch allen. Ich denke sehr sehr sehr viel an Euch und freue mich so auf Pfingsten.«

 

— 23. April 1921

Studium

Im April 1927 beginnt Adam in München sein Jurastudium. Nach nur einem Semester wechselt er an die Universität Göttingen und tritt auf Wunsch des Vaters in eine Studentenverbindung, das Corps Saxonia, ein.

Student der Rechtswissenschaften in Göttingen, 1927/1928
Adam (links) während eines Verbindungstreffens des Corps Saxonia in Göttingen, 1928
Haus des Völkerbundrates in Genf, um 1928 | BArch, Bild 102-00678 / Georg Pahl

Im September 1928 reist der Neuzehnjährige auf Initiative seiner Mutter nach Genf, der Hauptstadt des Internationalismus nach dem Ersten Weltkrieg. Begeistert nimmt er an friedensaktivistischen Veranstaltungen teil und lernt unmittelbar die auf internationale Zusammenarbeit und Friedenserhalt setzenden Ideen und Persönlichkeiten kennen. Adam trifft auch den Ökumeniker Willem Visser’t Hooft, der später für ihn noch wichtig wird.

Der kosmopolitische Geist dieser Wochen inspiriert ihn nachhaltig: Sein Interesse an Politik erwacht. Er trifft neue Entscheidungen für sein Leben: Zuerst tritt er aus dem Corps Saxonia aus und absolviert ein mehrwöchiges Gasttrimester am Mansfield College in Oxford. Nach seiner Rückkehr wechselt Adam den Studienort und geht 1929 nach Berlin.

Als Studierender in Imshausen, um 1928
Berlin 1929 | BArch, Bild 183-R93426

Ein sozialdemokratischer Aktivist und Freund, Hans Gaidies, führt ihn in den »Sozialistischen Arbeitskreis« ein und nimmt ihn zu politischen Veranstaltungen mit. Damit öffnen sich für Adam von Trott neue Perspektiven auf die Gesellschaft: Er beschäftigt sich mit den Lebensverhältnissen der Arbeiterschaft und entwickelt Interesse an sozialistischen Ideen. Ihn beunruhigen die soziale Not, die wachsende Arbeitslosigkeit und die politische Destabilisierung angesichts der Weltwirtschaftskrise.

»Gestern war ich zu einem ›Ausspracheabend‹ über das Thema ›Arbeiter und Student‹, bei dem ich mich zu meinem Erstaunen ganz natürlich auf die Seite des ersteren gedrängt sah und so – besonders in der Eigenschaft eines ehemaligen Corpsstudenten – einiges Erstaunen erregte. Wie dem auch sei, glaube ich endlich hierin auf dem richtigen Wege zu sein und weiß es meinen Arbeiterfreunden zu danken.«

 

Brief an August von Trott, Juli 1929

Wahlplakat der SPD 1930 | BArch, Plak 002-037-029/ Karl Geiss

Für sein juristisches Referendarexamen kehrt er 1930 nach Göttingen zurück. Er lernt hier Miriam Dyer-Bennet kennen. Sie beginnen eine Beziehung und leben zusammen.

Für sein juristisches Referendarexamen kehrt er 1930 nach Göttingen zurück. Er lernt hier Miriam Dyer-Bennet kennen. Sie beginnen eine Beziehung und leben zusammen.

Adam und Miriam Dyer-Bennet in Göttingen, 1930
Nach der Promotion, August 1931

Adam von Trott wird am 18. Juli 1931 an der Universität Göttingen mit der Arbeit »Hegels Staatsphilosophie und das Internationale Recht« zum Dr. jur. promoviert. Anschließend geht er im Oktober 1931 als Rhodes-Stipendiat zurück nach Oxford.

Oxford

»Über dem politischen Wollen Deutschlands liegt ein dichter Nebelschwaden von verwirten Wünschen und Begriffen, mißverstandener Vergangenheit, unerkannter Gegenwart und aussichtsloser Zukunft, der vertrieben werden müßte.«

— Adam von Trott, 1931

Gruppenbild am Balliol College in Oxford (Adam unten, 2. v. l.), 1931

»Man kann im Leben nur zweierlei Bestätigung erwarten – die von aussen und die von Innen – die erstere ist gefährlich und führt wenn sie mehr als ein Trost ist unweigerlich auf Abwege – die letzte ist Wahrheit und unversiegliche Kraftquelle.«

— Adam von Trott, 1931

Vor dem New College in Oxford, 1931

Adam von Trott kann 1931 die Auswahljury der Rhodes-Stiftung von sich überzeugen. Als ihr Stipendiat geht er – diesmal für zwei Jahre – wieder nach Oxford und studiert am Balliol College die Modern Greats: Philosophie, Politik und Ökonomie. Er arbeitet viel und ehrgeizig, gleichzeitig engagiert er sich in zahlreichen politischen und philosophischen Clubs, hält Vorträge und genießt die diskussionsfreudige Atmosphäre Oxfords. Er begeistert sich nachhaltig für die lebhafte politische Kultur Großbritanniens und die Labour-Party, die zwischen 1929 und 1931 die Regierung stellt.

»Im Grunde ist jeder ehrliche Humanist auch Sozialist.«

— Adam von Trott, 1931

Ein besonderes Erlebnis hat Adam von Trott bereits kurz nach seiner Ankunft in Oxford: Am 24. Oktober 1931 kann er an einer Diskussionsveranstaltung mit Mahatma Gandhi im Rhodes House teilnehmen. Gandhis gewaltfreie und zivile Widerstandsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien beeindruckt Trott nachhaltig.

Das Foto der Veranstaltung zeigt in der Mitte Gandhi auf dem Podium. Trott fertigt eine Bildunterschrift an und verzeichnet seine Position in der vordersten Reihe links.

Foto und Zeichnung, Oktober 1931
Kalender 1931

In dieser Zeit gewinnt er viele neue Bekannte und schließt Freundschaften u. a. mit den Studierenden Diana Hubback, Shiela Grant Duff und David Astor sowie dem Labour-Politiker Sir Stafford Cripps.

Adam und Diana Hubback in Karlsruhe, 1934
Mit Sheila Grant Duff, 1934

Obwohl er auch von Oxford aus die wirtschaftliche und politische Krise in Deutschland sorgenvoll und aufmerksam beobachtet, schockiert ihn die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933. Unermüdlich tritt er jeglicher Gleichstellung zwischen nationalsozialistisch und deutsch entgegen, auch unter seinen Bekannten. Da er sein Examen nicht »first class«, sondern mit gut (»second class«) abschließt, hält er es für zwecklos, ein akademisches Fellowship in Oxford anzustreben und entschließt sich zur Rückkehr nach Deutschland, um seinen unterbrochenen Referendardienst fortzusetzen. Betrübt ahnt er, dass viele freundschaftliche Kontakte durch die politische Belastung in Europa zerbrechen werden.

Adam und David Astor in Cliveden bei London, Juni 1939

Clarita

»Ich werde mich sehr wahrscheinlich demnächst
mit Clarita Tiefenbacher verloben. Ich glaube, daß ich sie, soweit das heute überhaupt möglich ist, glücklich machen kann und sie in Beziehung steht zu dem Besten, was ich in mir finde. Sie versteht, was mir im Leben am wichtigsten ist, und wird mir helfen, darum zu kämpfen.« So macht Adam von Trott seine Mutter im April 1940 mit seinen Heiratsplänen bekannt. Im Sommer zuvor hatte er Clarita Tiefenbacher in Berlin kennengelernt.

Adam und Clarita in Imshausen, Mai 1940
Clarita, um 1943

Clarita wird am 19. September 1917 in Hamburg geboren. Nach ihrem Abitur folgen Auslandsaufenthalte und ein Landjahr auf einem Obstgut; ein Studium findet ihr Vater, ein Rechtsanwalt, für Frauen nicht geeignet. Clarita lernt Adam von Beginn an als Regimegegner kennen. Sie verbringen den Sommer 1939 miteinander, geeint auch in der Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Im April 1940 entscheiden sie sich zu heiraten.

Mit Tochter Verena in Berlin, März 1942

Adam mit seiner Tochter Verena in Berlin, September 1942

Clarita mit den Töchtern Clarita und Verena,
März / April 1944

Das Paar findet eine Wohnung in Berlin-Dahlem und erlebt privates Glück in einer Zeit, in der Adam sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus täglich in Lebensgefahr begibt. Clarita unterstützt die Widerstandsarbeit Adams, ist zu ihrem Schutz aber nicht in Details eingeweiht. 1942 und 1943 kommen ihre Kinder Verena und Clarita zur Welt.

Imshausen, Mai 1944
Familienbild in Imshausen, Mai 1944

Nach dem Krieg studiert Clarita von Trott Medizin und schließt mit der Promotion ab. Sie wird Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie und lässt sich schließlich als Psychoanalytikerin in Berlin nieder.

Clarita mit den Kindern in Caux, Schweiz, 1946

Briefe

Adam hat lebenslang – trotz Unterschieden bezüglich Lebensweise und Einstellungen – eine vertrauensvolle, herzliche und stabile Beziehung zu seinen Eltern. In zahllosen Briefen erzählen sie sich ihren Alltag, tauschen Sorgen und Rat und diskutieren ihre verschiedenen Standpunkte. August von Trott unterstützt Adam während dessen Schul- und Studienzeit vorbehaltlos. Seinem Vater zuliebe entscheidet Adam sich für das Jurastudium und tritt in die Verbindung Corps Saxonia ein. Der Vater nimmt lebhaften Anteil am Studium seines Sohnes. Mit zunehmender Selbständigkeit des Sohnes treten politische Differenzen zwischen ihnen hervor, über die sie offen schreiben und – ohne dass es ihr Verhältnis trübt – diskutieren.

Adam und August von Trott, um 1929
Adam und Eleonore von Trott, um 1934

Eleonore von Trott ist Adams enge Vertraute. Von Anfang an hat sie großes Zutrauen in ihren Sohn. In ihren Briefen tauschen sie sich auf Augenhöhe aus. Sie teilen die Leidenschaft für die Literatur und das Reisen. Beide betonen stets die Bedeutsamkeit von sozialer Verantwortung als Richtschnur des Handelns. Adam folgt seiner Mutter aber nicht in ihrer tiefen Religiosität.

Während seiner Kasseler Schulzeit wohnt Adam bei einer Pfarrersfamilie. Er fühlt sich dort nicht wohl. Seiner Mutter gegenüber kritisiert er die Haltung des Pfarrers und erläutert seine eigene Position:

Brief des elfjährigen Adam an seine Mutter, 8. Mai 1921

»Eine Frage will ich Dir schreiben, dass Du sie Dir überlegst und sie mir beantwortest (…) Ich kann die Art des Christentums, die der Herr Pf.[arrer] hat, nicht verstehen, dieses sozusagen Zittern und Beben. Wir sollen mutig sein, nicht immer gleich beten und beten (es klingt wie ein Winseln), sondern es durch Taten gutzumachen suchen. Es steht in der Bibel: ›Uns ist nicht gegeben ein knechtischer Geist, dass wir uns
abermal fürchten sollen!‹ Luther, Arndt sind solche, die nicht immer in dieser Hinsicht knechtischen Geist zeigen. Auch kann ich nicht leiden, wenn die Kirche indirekt Zwang ist. Nun bitte versteh mich nicht falsch, sondern denke Dich in mich hinein. Diese Gedanken beschäftigen mich sehr oft, wenn der Herr Pfarrer betet.«

Eleonore von Trott an ihren Sohn, 22. August 1923

»Es wird mir doch immer schwerer, Dich so weit fort zu wissen und Dich nur so selten zu sehen.«

»Du weißt, daß meine Gedanken immer bei Dir sind und wie sehr ich hoffe, daß Du mit Gottes Hilfe ein Mann wirst, der auch gegen den Strom schwimmen kann (…) Lies gute Bücher, die geben oft Kraft und sei stark, im rechten Moment nein zu sagen!«

Adam eckt in seiner Schulzeit in Hannoversch Münden gelegentlich mit der pädagogischen Aufsicht des Alumnats, dem »Inspektor«, an. Der Vater reagiert verständnisvoll und ermutigend:

August von Trott an seinen 15-jährigen Sohn, 23. Februar 1925

»Du hast ein sehr feines Gefühl und bist leicht verletzt, denkst aber zu wenig daran, daß es bei anderen ebenso sein kann.«

»Gerade wenn Du den Herrn Inspektor nicht leiden magst, solltest Du peinlich vermeiden, ihm berechtigten Grund zum Tadel zu geben, damit Du ihm gegenüber nicht ins Unrecht kommst.«

 

»Daß Du jetzt Dich so wenig glücklich fühlst, tut mir sehr …

… leid. Aber Du mußt jetzt als tapferer Junge durchhalten und darfst die Flinte nicht in’s Korn werfen. Per aspera ad astra.«

 

»Du hast keinen besseren Freund auf der Welt wie mich, und wenn ich Dich tadele, tue ich es, weil ich Dich lieb habe und dazu beitragen möchte, daß Du ein tüchtiger und anständiger Mann, ein echter Edelmann wirst.«

Adam von Trott an seinen Vater, 18. März 1931

»Ich glaube, daß ich genügend von Dir geerbt habe, um nie ganz den Mut zu verlieren, und dein Interesse und Vertrauen sind eine Hilfe, die
ich nicht entbehren möchte.«

Adam von Trott an seine Mutter, 14. August 1930

»Meine liebe Mutter, Es hinterließ eine gewisse Beklemmung bei mir, gesehen zu haben, dass Du bei unserem Abschied in Bebra trauriger, ja besorgter aussahst«.

Dazu erschwert der Umstand, dass ich mich sehr änderte und Ihr Euch weniger. Und diese Veränderungen erscheinen weniger real in Imshausen als der alte, unfriedliche, eingebrannte Zustand. Wie kann ich von Euch verlangen, daß Ihr Euer Verhältnis mit jeder Veränderung und jedem Fortschritt meinerseits verschiebt? «

Eleonore von Trott an Adam, 16. August 1930

Mein lieber Adam,
Ich sehe und freue mich darüber, dass Du Dich in den letzten zwei Jahren sehr verändert hast – ich würde sagen: entwickelt. Ich weiß, daß wir mehr als Du glaubst übereinstimmen. Wir haben beide, neben gutem deutschen Blut, etwas von den Bekämpfern der Sklaverei in Amerika geerbt.